» Bergkarabachs
Seit fast dreißig Jahren schwelt der Konflikt zwischen Armeniern und Aserbaidschanern um Bergkarabach – die Zeiten vor der Sowjetunion einmal außer Acht gelassen. In diesem Frühjahr eskalierte die Lage erneut mit einem “Vier-Tage-Krieg”. Diplomatische Bemühungen versandeten bislang, beide Seiten zeigen sich wenig kompromissbereit. Und die Bewohner von Bergkarabach pochen auf ihre Unabhängigkeit. Ihr Staat wird jedoch international nicht anerkannt. euronews schaute hinter die Fronten.<br /><br /> An der Front in Bergkarabach herrscht angespannte Ruhe. Im April hatte es hier heftige Kämpfe gegeben zwischen der aserbaidschanischen Armee und den von Armenien unterstützten Truppen der selbst ernannten Republik Bergkarabach. Die jüngste Eskalation in einem seit fast drei Jahrzehnten schwelenden Konflikt. Zu Sowjetzeiten gehörte die mehrheitlich von Armeniern bewohnte Region im Südkaukasus zu Aserbaidschan, 1991 erklärte sie sich unabhängig, wurde international aber nicht anerkannt. Es folgte ein Krieg zwischen aserbaidschanischen und armenischen Truppen, der mehr als 25.000 Menschen das Leben kostete und etwa eine Million in die Flucht trieb. Nach dem Sieg der Armenier wurde 1994 ein Waffenstillstand verkündet. Seitdem schwelt der Konflikt, der inzwischen auch als “eingefroren” oder “verschleppt” bezeichnet wird. <br /><br /> Nördlich der Waffenstillstands- oder “Kontaktlinie” gab es bei den Kämpfen im April wieder einige Dutzend Tote. Wer das Feuer eröffnete, ist umstritten. Bergkarabachs Truppen, die auch im April von freiwilligen armenischen Soldaten unterstützt wurden, halten sich bereit für eine mögliche aserbaidschanische Offensive, wie Kommandant Sevak Sardaryan bekräftigt: <br />“Der Feind hat immer wieder gegen den Waffenstillstand von 1994 verstoßen. Sie haben im April angefangen! Warum sollten sie nicht wieder anfangen? Wir sind jetzt besser gewappnet, und falls es dazu kommt, wird unsere Gegenwehr heftig sein!” <br /><br /> Zweimal in dreißig Jahren das Haus zerstört<br /><br /> Ganz in der Nähe der Front liegt das Dorf Talish. Schon in den neunziger Jahren war es Kriegsschauplatz. Im April wurde es wieder zerstört. Alle Bewohner mussten ihre Häuser verlassen. Drei, die sich geweigert hätten, seien bei den Gefechten ums Leben gekommen, erzählt man uns. Garik Ohanyan zeigt, was von seinem Haus übrigblieb: “Das ist mein Zuhause. Ich habe zwanzig Jahre geschuftet, um dieses Haus zu bauen. Zwanzig Jahre! Wir haben hier zu neunt gelebt, neun Personen… schauen Sie – nichts mehr, alles ist zerstört. Ich weiß nicht, was ich machen soll!”<br /><br /> Er hat mit seiner Frau, den fünf Kindern und seiner Mutter Zuflucht im Nachbardorf gefunden, bei seinen Schwiegereltern. Sie haben Angst, in ihr Dorf zurückzukehren. Seine Mutter weint: “Mein anderer Sohn ist bei den Kämpfen gefallen, ich erhalte deswegen eine Pension. Mir bleibt nur dieser Sohn, und er hat fünf Kinder. Was machen wir jetzt? Wir haben kein Haus mehr, keine Arbeit, und müssen hier bleiben!” “Seit wir das erste Mal aus unserem Dorf flohen, 1
Seit fast dreißig Jahren schwelt der Konflikt zwischen Armeniern und Aserbaidschanern um Bergkarabach – die Zeiten vor der Sowjetunion einmal außer Acht gelassen. In diesem Frühjahr eskalierte die Lage erneut mit einem “Vier-Tage-Krieg”. Diplomatische Bemühungen versandeten bislang, beide Seiten zeigen sich wenig kompromissbereit. Und die Bewohner von Bergkarabach pochen auf ihre Unabhängigkeit. Ihr Staat wird jedoch international nicht anerkannt. euronews schaute hinter die Fronten.<br /><br /> An der Front in Bergkarabach herrscht angespannte Ruhe. Im April hatte es hier heftige Kämpfe gegeben zwischen der aserbaidschanischen Armee und den von Armenien unterstützten Truppen der selbst ernannten Republik Bergkarabach. Die jüngste Eskalation in einem seit fast drei Jahrzehnten schwelenden Konflikt. Zu Sowjetzeiten gehörte die mehrheitlich von Armeniern bewohnte Region im Südkaukasus zu Aserbaidschan, 1991 erklärte sie sich unabhängig, wurde international aber nicht anerkannt. Es folgte ein Krieg zwischen aserbaidschanischen und armenischen Truppen, der mehr als 25.000 Menschen das Leben kostete und etwa eine Million in die Flucht trieb. Nach dem Sieg der Armenier wurde 1994 ein Waffenstillstand verkündet. Seitdem schwelt der Konflikt, der inzwischen auch als “eingefroren” oder “verschleppt” bezeichnet wird. <br /><br /> Nördlich der Waffenstillstands- oder “Kontaktlinie” gab es bei den Kämpfen im April wieder einige Dutzend Tote. Wer das Feuer eröffnete, ist umstritten. Bergkarabachs Truppen, die auch im April von freiwilligen armenischen Soldaten unterstützt wurden, halten sich bereit für eine mögliche aserbaidschanische Offensive, wie Kommandant Sevak Sardaryan bekräftigt: <br />“Der Feind hat immer wieder gegen den Waffenstillstand von 1994 verstoßen. Sie haben im April angefangen! Warum sollten sie nicht wieder anfangen? Wir sind jetzt besser gewappnet, und falls es dazu kommt, wird unsere Gegenwehr heftig sein!” <br /><br /> Zweimal in dreißig Jahren das Haus zerstört<br /><br /> Ganz in der Nähe der Front liegt das Dorf Talish. Schon in den neunziger Jahren war es Kriegsschauplatz. Im April wurde es wieder zerstört. Alle Bewohner mussten ihre Häuser verlassen. Drei, die sich geweigert hätten, seien bei den Gefechten ums Leben gekommen, erzählt man uns. Garik Ohanyan zeigt, was von seinem Haus übrigblieb: “Das ist mein Zuhause. Ich habe zwanzig Jahre geschuftet, um dieses Haus zu bauen. Zwanzig Jahre! Wir haben hier zu neunt gelebt, neun Personen… schauen Sie – nichts mehr, alles ist zerstört. Ich weiß nicht, was ich machen soll!”<br /><br /> Er hat mit seiner Frau, den fünf Kindern und seiner Mutter Zuflucht im Nachbardorf gefunden, bei seinen Schwiegereltern. Sie haben Angst, in ihr Dorf zurückzukehren. Seine Mutter weint: “Mein anderer Sohn ist bei den Kämpfen gefallen, ich erhalte deswegen eine Pension. Mir bleibt nur dieser Sohn, und er hat fünf Kinder. Was machen wir jetzt? Wir haben kein Haus mehr, keine Arbeit, und müssen hier bleiben!” “Seit wir das erste Mal aus unserem Dorf flohen, 1