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Ulrich Roski - Des Schleusenwärters blindes Töchterlein 1972 <br /> <br />Im alten Spandau an der schönen Havel <br />steht eine Schleuse und die riecht nach Fisch. <br />Jedoch am Schleusentor winkt eine Tafel <br />da steht geschrieben "Wasser täglich frisch". <br /> <br />Der alte Schleusenwärter klinkt die Spundten <br />und wenn es achtern aus den Rahen drulpt, <br />pinnt er die Klieken über Luv nach unten <br />dann wird die Kellin in den Wind gehulpt. <br /> <br />Am Schleusenrand im Abendscheine <br />steht eine liebliche Gestalt. <br />Sie hält den Schleusenkater an der Leine, <br />sie faßt ihn sicher und sie gibt ihm Halt. <br /> <br />Das ist des Schleusenwärters blindes Töchterlein <br />das winkt die Schiffe ein mit sanftem Schwung. <br />Und mancher Havelschiffer hält mit Schiff hinein <br />und grinst sie an, sie ist ja noch so jung. <br /> <br />Mit weißer Mütze stand auf der Barkasse <br />ein wohlgestalt'er junger Maat <br />und dem gefiel des Wärters Sohn der Lasse, <br />die Tochter aber fand er fad. <br /> <br />Er ging in's Schleusenhaus mit jenem Knaben <br />wo er mit ihm ein Rendezvous besprach <br />doch auch die Tochter rief "Den will ich haben" <br />und schlich ihm heimlich in die Koje nach. <br /> <br />Der Maat legt Hand an ihre Hüfte <br />und zwickt sie auch, da sprach sie "Au". <br />Doch als er sie dann näher prüfte <br />rief er "Verflucht das ist ja eine Frau". <br /> <br />Jaja des Schleusenwärters blindes Töchterlein <br />kam statt des Bruders in der Dämmerung. <br />Jedoch der junge Maat hat es zu spät geahnt, <br />ja wie gesagt sie war ja noch so jung. <br /> <br />Und als der Schnösel sie nicht haben wollte <br />lief sie zum Vater, der die Wanten spliss. <br />Ob dieser Schmach war er erbost und grollte, <br />bis er vor wut in einen Tampen biß. <br /> <br />Er schlenzte ihn und er kalpaukte, <br />maschkeute ihn und holt ihn kiel. <br />Und als der Maat dann schließlich nichts mehr taugte, <br />warf er ihn in den feuchten Pril. <br /> <br />Das sah der Lasse an, der schlanke Bruder, <br />der schalt den Vater einen krummen Hund. <br />"Er war mein Freund" rief er und griff ein Ruder <br />und stieß den Wärter in den kühlen Grund. <br /> <br />Na und des Schleusenwärters blindes Töchterlein <br />das sah ihm traurig nach wie er ertrunk, <br />warf eine handvoll Sand ins Wasser rein <br />und sang "Fahrt wohl, ihr wart ja noch so jung". <br /> <br />Die Schleusenwärterin saß auf dem Poller, <br />die Hand am Kinn und dachte "Bäin se bäin". <br />Sie sah den Mord, da rief sie "Ach mein Oller <br />jetzt biste hin, das muß gerochen sein". <br /> <br />Zum Sohn sprach sie "Du mußt jetzt scheiden" <br />und schnitt ihm rasch die Kehle ab. <br />Die Blinde aber mocht's nicht leiden <br />und stieß die Mutter in das feuchte Grab. <br /> <br />Und aus der Schleusenkammer kam die Oma, <br />die einen Jüngling unter'm Herzen trug. <br />Sie hat ein köstliches Aroma, <br />weil sie grad' Butterkuchen buk. <br /> <br />Die nahm des Schleusenwärters blindes Töchterlein <br />und warf es auch hinein zur letzten Ruh. <br />Doch ach der Schleusenkater stellt auch ihr ein Bein, <br />da fiel die Schleusenoma noch dazu. <br /> <br />Die alte Schleuse oben an der Havel, <br />die ist voll Blut und stinket fürchterlich. <br />Jedoch das macht ja nichts, verheisst die Tafel <br />das Wasser ist ja morgen wieder frisch.
Ulrich Roski - Des Schleusenwärters blindes Töchterlein 1972 <br /> <br />Im alten Spandau an der schönen Havel <br />steht eine Schleuse und die riecht nach Fisch. <br />Jedoch am Schleusentor winkt eine Tafel <br />da steht geschrieben "Wasser täglich frisch". <br /> <br />Der alte Schleusenwärter klinkt die Spundten <br />und wenn es achtern aus den Rahen drulpt, <br />pinnt er die Klieken über Luv nach unten <br />dann wird die Kellin in den Wind gehulpt. <br /> <br />Am Schleusenrand im Abendscheine <br />steht eine liebliche Gestalt. <br />Sie hält den Schleusenkater an der Leine, <br />sie faßt ihn sicher und sie gibt ihm Halt. <br /> <br />Das ist des Schleusenwärters blindes Töchterlein <br />das winkt die Schiffe ein mit sanftem Schwung. <br />Und mancher Havelschiffer hält mit Schiff hinein <br />und grinst sie an, sie ist ja noch so jung. <br /> <br />Mit weißer Mütze stand auf der Barkasse <br />ein wohlgestalt'er junger Maat <br />und dem gefiel des Wärters Sohn der Lasse, <br />die Tochter aber fand er fad. <br /> <br />Er ging in's Schleusenhaus mit jenem Knaben <br />wo er mit ihm ein Rendezvous besprach <br />doch auch die Tochter rief "Den will ich haben" <br />und schlich ihm heimlich in die Koje nach. <br /> <br />Der Maat legt Hand an ihre Hüfte <br />und zwickt sie auch, da sprach sie "Au". <br />Doch als er sie dann näher prüfte <br />rief er "Verflucht das ist ja eine Frau". <br /> <br />Jaja des Schleusenwärters blindes Töchterlein <br />kam statt des Bruders in der Dämmerung. <br />Jedoch der junge Maat hat es zu spät geahnt, <br />ja wie gesagt sie war ja noch so jung. <br /> <br />Und als der Schnösel sie nicht haben wollte <br />lief sie zum Vater, der die Wanten spliss. <br />Ob dieser Schmach war er erbost und grollte, <br />bis er vor wut in einen Tampen biß. <br /> <br />Er schlenzte ihn und er kalpaukte, <br />maschkeute ihn und holt ihn kiel. <br />Und als der Maat dann schließlich nichts mehr taugte, <br />warf er ihn in den feuchten Pril. <br /> <br />Das sah der Lasse an, der schlanke Bruder, <br />der schalt den Vater einen krummen Hund. <br />"Er war mein Freund" rief er und griff ein Ruder <br />und stieß den Wärter in den kühlen Grund. <br /> <br />Na und des Schleusenwärters blindes Töchterlein <br />das sah ihm traurig nach wie er ertrunk, <br />warf eine handvoll Sand ins Wasser rein <br />und sang "Fahrt wohl, ihr wart ja noch so jung". <br /> <br />Die Schleusenwärterin saß auf dem Poller, <br />die Hand am Kinn und dachte "Bäin se bäin". <br />Sie sah den Mord, da rief sie "Ach mein Oller <br />jetzt biste hin, das muß gerochen sein". <br /> <br />Zum Sohn sprach sie "Du mußt jetzt scheiden" <br />und schnitt ihm rasch die Kehle ab. <br />Die Blinde aber mocht's nicht leiden <br />und stieß die Mutter in das feuchte Grab. <br /> <br />Und aus der Schleusenkammer kam die Oma, <br />die einen Jüngling unter'm Herzen trug. <br />Sie hat ein köstliches Aroma, <br />weil sie grad' Butterkuchen buk. <br /> <br />Die nahm des Schleusenwärters blindes Töchterlein <br />und warf es auch hinein zur letzten Ruh. <br />Doch ach der Schleusenkater stellt auch ihr ein Bein, <br />da fiel die Schleusenoma noch dazu. <br /> <br />Die alte Schleuse oben an der Havel, <br />die ist voll Blut und stinket fürchterlich. <br />Jedoch das macht ja nichts, verheisst die Tafel <br />das Wasser ist ja morgen wieder frisch.